Möbel a la Qualitätswüste Finnland

28 01 2011

Heute kotzt es mich wieder besonders an, weil unsere Küchengeschichte, die sich seit dem Bau ein halbes Jahr (weiterhin) zieht, ist wieder aufgewirbelt. Ja, die Küche ist schön, aber ich bin schon fast ein Installateurmeister, weil Finnen einfach nur Mist bauen. Wenn die Türen keine „Bremser“ hätten, würde ich sie jetzt knallen.

– Ersatztüren, auf die wir wochenlang warteten, weil die Fabrik nur pfuscht beim lackieren (voll Fusel, Pinselhaare an den Kanten) stehen nun seit Mitte Dezember geliefert, aber Installateur lässt auf sich warten und Verkäuferin ist wohl am Rande des Nervenzusammenbruchs. Sie tat mir schon leid, hat alles für uns getan, aber dafür kauf ich mir nix. Es ist auch ein Wunder, dass die Kanten gestrichen sind (!) während die Obefläche ganz schön beschichtet ist. Eine Technologie von Anno dazumal.

– Massivholzarbeitsplatte „lebt“ (klar!) und es gibt überall Spalten von bis zu 6 mm (gut fürs Wasser, wohl?), weil sie Arbeitsplattenverbinder nicht kennen/nicht verwenden, sondern das Holz einfach draufknallen und gut ist. Diese Klein-DDR… Solange sie’s selber nicht erfinden, machen sie auch nicht die Augen auf, dass es anderswo gefräst und verbunden wird und die Teile 2 Euro kosten (könnte man hier gut 20 Euro für berechnen, ist doch immer so).

– Reklamation geht in Finnland nach voller Zahlung, für ihre phantasie „kotimainen laatu“, einheimische Qualität, von der ich eh nie viel hielt und jetzt noch weniger, weil sie einfach nicht auf Details achten können. Also man sieht nix davon wieder, zahlt für Mist den vollen, nicht allzu günstigen Preis.









Leicht manipulierbar

29 09 2010

Gestern belagerte die Nachricht jegliche Medien, dass das finnische Verkehrministerium wegen „Umweltschutz“ die Tempolimits zu senken plant: innenstädtisch – wer weiss, Autobahn (wenn man die paar Wege Ost-West und Süd-Nord Autobahn nennen kann) – von 120 km/h (im Winter 100 km/h) auf 80 km/h. Pata-tai-pata-tai-pata-tai… Nun ja, auf den Ringen um die Hauptstadt, die eh auf 80 km/h beschränkt sind, geht es neulich wegen der chaotischen Baustellen eh nicht schneller als 20 km/h, aber die Autobahn ist relativ gut befahrbar, natürlich mit Obacht gegen die Tiere, also macht 120 km/h schon Sinn und das deutsche Rasen ist mir schon fremd geworden. Aber 80 km/h mit der Begründung: so und soviel CO2 wäre gespart und Leute wären durch die langsame Fahrerei (die natürlich bei Tempoüberschreiten gehaltsgebunden saftig bestraft wird) genervt und würden auf Bahn umsteigen.

Ja! Sofort! Morgen mach ich das mit meiner 62 km Anfahrt zur Arbeit, ich fahre Bahn – nur legt mir erstmal die Gleise dahin!!! Ok, unter dem Umweltmantel die Massnahme zu verstecken ist schon schön und gut. Aber es offen zu sagen, dass die Menschen damit nur manipuliert wären, so und so zu handeln, ist ein Schlag ins Gesicht. Nicht der erste jedoch. Noch besser: solche Nachricht kommentieren noch die meisten – lebensfremden – und sagen es sei gut! Dieses Land ist nicht vergleichbar mit dicht bevölkerten Ländern. Hier gibt es nun mal Jobs (zumal für Akademiker) NUR in der Hauptstadtregion. Sollen sich jetzt alle wegen der Schikanen und Infrastruktur, die ganz zügig hinter dem sog. „Wolfsring“ (Grossraum Helsinki) endet arbeitslos melden? Und wohnen in der Hauptstadt: traurige Standards, salzige Preise.

Nun nachmittags hat es sich herausgestellt, dass das ganze nur von einem Angestellten durchgesieckert ist und die Ministerin sich von dem Vorschlag distanziert.

Aber irgendeine „Strafe“ wird man den Autofahrern schon ausdenken. Immerhin ist es noch „Luxus“, in einem Land, in dem man ausserhalb der einigen grösseren Städten nur dürftig mobil ist ohne Auto. Mein Umweltbeitragvorschlag: die unsinnigen Steuern zu senken und normalverdienenen zu ermöglichen, moderne, umweltfreundliche Autos zu fahren, wie in anderen Ländern auch, nicht die ölbrennende Klapperkisten, die leider noch viel zu viel hier die Strassen belagern.





Ziel ansteuern: Fussgänger!!!

14 09 2010

Die finnische Polizei unternimmt ab heute eine Aktion zur Überwachung der Zebrastreifen in Helsinki aufgrund zahlreicher Beschwerden der Helsinki Einwohner, dass der Vortritt von den Autofahrern missachtet wird. Es wird eine Verwarnung oder 10 Tagessätzen (für den Durchschnittsfinnen wohl knapp 250-300 Euro, für einen, der halbwegs gut verdient, ab 500 Euro bis unendlich) Strafgeld fällig. Jahresstatistiken für Helsinki (am Rande gehört) ist 15 Tote und mehr als 300 Verletzte jährlich.

Neulich hatten wir Besuch aus Deutschland, schon nach wenigen Fahrten (nicht in Helsinki) fragten sie: „Muss man bei euch Fussgängern keinen Vortritt lassen? Man, bei uns kostet das 25 Euro (!!!) Uh, un die meisten telefonieren noch dabei.“ Willkommen in Finnland! 😀

Die Lage ausserhalb Helsinkis ist nicht so arg, aber keinesfalls annehmbar.

Dem Phänomen liegt zugrunde, dass:

Finnen grundsätzlich ihre Umwelt nicht wirklich beachten (die kleinen Höflichkeiten wie Tür aufhalten, aus dem Weg ausweichen bleiben aus), sie mögen denvielen Platz mit möglichst wenig Menschen um sich und das ist nun mal in manchen Städten nicht gegeben. Und viele sind in einer Stadt wie Helsinki nicht freiwillig. Sie sehnen sich nach ihrem menschenleeren Heimatort. Davon wurde oft berichtet und sogar einige Filme gemacht.

Zweites Hindernis: es sind einfach zuviele Zebrastreifen da. Der Autofahrer würde nicht mehr vom Fleck kommen, wenn er immer wieder abbremst (vom Umweltaspekt ganz abgesehen). So wie ich 😀 Also druff!

Man kann sich nicht darauf verlassen, dass wenn man bestimmt auf die Strasse tritt, die anderen bremsen werden. Schlimmstenfalls landet man im Krankenhaus.

Wenn einer anhält, ist es keine Ausnahme, dass der Fussgänger dann durch die Gegenspur rennen muss, da der gegenüberströmende Verkehr wird NICHT anhalten. Genauso üblich ist das unabgebremste vorbeirauschen an einem vor dem Zebrastreifen haltendem Fahrzeug (sehr teuer in Deutschland!).

Viele Finnen rennen grundsätzlich durch den Zebrastreifen.

Als Autofahrer wird man verunsichert, weil (bereits alarmierte) Fussgänger/Radfahrer sehr zögerlich sind. Dann weiss man nicht mehr ob man halten oder vorbei fahren soll. Es gibt auch viele finnische Fussgänger, die Autos durchwinken 😀 und nicht den Vortritt wollen (weil sie ihn eh nicht bekommen).

Sympatische Auswirkung: fast jeder Fussgänger, den man durchlässt, bedankt sich beim Autofahrer mit einem Winken 🙂 Das ist doch nicht normal, oder???

Und nein, es ist kein nordisches Phänomen, denn sehr diszipliniert sind z.B. Norweger! Sie lassen immer Vortritt dem Fussgänger. Keine Urlaubserfahrung, sondern aus erster Hand von Finnen, die dort mehrere Jahre lebten.

Im Ausland ist es besonders lästig, als/mit zögernden Finnen die Strasse zu betreten, weil die Lokalen dann meistens sehr verduzt sind.





Küchenkauf á la Finnland

2 09 2010

Nun ist es vollbracht. Die Küche steht und sieht im Original wie das 3D Bild, das an sich gut geplannt wurde. Ich mag keine Bananenkisten um mich mehr haben, ist aber notwendig, da sie viel „leichter“ ist und weniger Stauraum hat, als die frühere. Ein guter Grund um auszumisten. Sie gefällt mir 🙂 Hier die etwas älteren 3D Bilder:

(Endgültig ohne diese Thekenerhöhung und mit einer spacigen Dunstabzugshaube sowie einer verdeckten Spülmaschine). 

Nun die Vor- und Nachteile des Kaufs:

+ Küchenberaterin legte sich sehr ins Zeug, erfüllte jeden Wunsch, war auch sehr aufmerksam, allerdings manchmal etwas chaotisch, das in ewigen Korrekturen resultierte. Man musste selbst auf alles achten.

– andere Küchenstudios: Service mal wieder sehr „finnisch“, „geht nicht, machen wir nicht, nicht im Juli“. Wenn sie so verkaufen, dann aber gute Nacht! Haben wir dann bis auf ein paar Wettbewerber links liegen lassen. Da hab ich keinen Nerv für.

+ Lieferzeit ziemlich schnell, nach den Formalitäten, etwa 3-4 Wochen

– Fabrik sagt sehr kurzfristig Bescheid, wann nun geliefert wird, obwohl „hochqualitativ Finnisch“ sehr viele Macken, auf die der Kücheninstallateur aufmerksam machte und man sie auch selbst hier und da noch sieht, manche lässt man durchgehen (das man nie in D durchgehen lassen würde, z.B. die Art wie die Kanten der MDF Türen lackiert sind. Nachlieferung bald, Zahlung wartet on hold.

+ Da sind wir beim Thema: Vertragsinstallateur des Küchenstudios, One man show, absolute Persönlichkeit, „deutsche“ Arbeitsweise (als Finne, na ja – das hat andere Hintergründe, die ich jetzt gut nachvollziehen kann), sehr aufmerksam, achtet auf Details, saubere und gut organisierte Arbeit, guter fester Arbeitspreis, lustig drauf 🙂 Denkt mit, fragt, ob er Vorschläge machen darf, macht absolut gute Vorschläge – trifft man in Finnland äusserst selten, er arbeitet aber viel in Westeuropäischen Ausland. Ein Schatz. Und ich hatte schon Albträume, dass jegliche Leitungsausschnitte in den Schränken wieder mit der Axt gemacht werden (wie in der alten Küche) und alles schön mit sichtbaren Schrauben verziert wird (in Finnland nimmt man es nicht so zimperlich).

– Teile Nachlieferung kommt von hier und da. Das nervt und bringt alles durcheinander (Weinregal eingebaut, Stützen gerade eingetroffen, längst vergessen, dass sie dahin gehören – kann man sie noch nachträglich darein kriegen?)

+ „Fremdteile wie z.B. Einbaugeräte aus dem Elektromarkt werden mit eingebaut ohne Extraberechnung. Spitze! Das Küchenstudio hatte nicht das, was wir wollten

– Halbaufgebaute Lieferung wird nicht ins Haus geliefert, sondern nur vors Haus. Da musste man (trotz Frachtkosten) selbst zupacken. Erhöht das Risiko, etwas kaputt zu machen.

+ Obwohl alles als Finnisch-einheimisch verkauft ist, sind viele Mechanisme und Teile Deutsch. Auf uns wirkt sehr exotisch, dass der Ware ein von Hand unterschriebenes Qualitätszertifikat von Packer und Schichtleiter beiliegt. Deutsch eben.

Heute kommt der Starkstrominstallateur, nun gilt es zu lernen, mit Induktionskochfeld umgehen zu können. Wasser wird es noch lange kein geben, muss in Deutschland Armatur holen. Eingeräumt ist es halbwegs.





Daten(un)schutz Finnland (1)

28 08 2010

Schon wieder sind fast 5000 Namen mit Sozialversicherungsnummer (DER Nummer in Finnland, mit der man dann wirklich im Lande existiert, also das A und O) auf einer öffentlichen Internetseite einer finnischen Uni gelandet. Die Sache wird nun polizeilich untersucht, wieso, wie und wie lange. Schon vermeldet: gemerkt wurde es im Juli, aber da sind alle Finnen im Urlaub, 4 Wochen, oder mehr. Bildungsstättenpersonal deutlich mehr! Also blieb da die verflixte Liste. So what?

Mein persönlicher Aufreger. Weiss nicht woran es liegt, aber beim Geldabheben gibt es desöfteren Verbindungsfehler, das Geld wird dann ab- und wieder zurückgebucht. Neulich passiert. Aber zurückerstattet wurde es nicht. Man darf also von der Bank „Luft“ abholen. Waren ja „nur“ 60 Euro. Hab nun die Bank gebeten, mit mir Kontakt aufzunehmen und den Vorgang zu überprüfen. 24 h ist vorbei, aber so schnell reagiert man nicht auf Kundenanfragen hierzulande, erstmal ist das Wochenende dran. So!

Übrigens, verstehe ich nicht, wie es sein kann, wenn die Verbindung nicht steht, dass es trotzdem abgebucht wird. Wovon? Gab’s doch keine verdammte Verbindung. Oder wurde da wieder eine Billigsoftware entwickelt mit all den Pannen. Es nervt! In Deutschland tut sich nix am Konto, wenn ein Fehler der Maschine vorliegt.





Mineralwasser ist ungesund…

14 08 2010

Da haben wir es wieder – kaum ist die finnische Mehrwertsteuer runter von Lebensmittel (von 22% auf 13%), Restaurant (von 22% auf 13% am 1.7.2010), Frisör (von 22% (?) auf 9%) – zwar unmerklich, weil davor die Preise schon mal künstlich in die Höhe getrieben worden sind, um an den Kunden möglichst nix davon abzugeben, bis auf einige wenige Ausnahmen. Die allgemeine MWSt ist wieder um einen Zähler hoch auf 23% und zwischenzeitlich wurden die Alkoholsteuerpreise immer weiter erhöht – den Grund kann man sich schon denken.

Nun jetzt kommt’s: die Gesellschaft ist ungesund, die Gesellschaft ist dick. Wir brauchen eine „neue“ Steuer – auf Süssigkeiten und Softgetränke. Oh ja. Die Gesellschaft ist merklich dick geworden, das stimmt. Wird die Steuer das ändern? Wird die Steuer für die Bekämpfung des Problems wieder sinnvoll eingesetzt? Irgendwie bezweifle ich das.

Am meisten Paradox dabei ist, dass betroffen werden Schokolade, Süssigkeiten wie Weingummi, aber kein Gebäck (den Finnen nun haufenweise verspeisen). Dazu Softgetränke und… jetzt kommt’s Mineralwasser, weil’s aus der gleichen Fabrik stammt. Oha. Da kommt wieder der Nasenstubser: finnisches Leitungwasser ist gut genug, Kohlensäure schlecht für die Zähne und jemand hat schon für Dich entschieden, dass Du KEIN Mineralwasser brauchst (mal abgesehen von dem jetzigen Preis von knapp über 2 Euro pro 1,5 l Flasche und 1,50 Euro für eine 0,5 l… (ausser Lidl und das einzig richtigem Quellwasser der schwedischen Marke, die ich immer fur 1,20 Euro pro 1,5 l inkl. Pfand kaufe).

Nun soll alles wieder umgeschmiessen werden und eben Gebäck, süsse Joghurts, usw. Hierzu der Artikel (auf Finnisch) http://www.hs.fi/politiikka/artikkeli/Yritykset+korvaisivat+makeisveron+sokeriverolla/1135259282408

Eins kommt aber ganz klar zum Vorschein: die finnische Gesellschaft entbehrt, wird bestraft. Es sind selten Züge, die Motivieren, z.B. ein modernes Auto zu fahren, Energie sparen, Gesundes zu geniessen, aber trotzdem mit gelegentlichen Sünden nicht übertreiben, sondern es muss immer auf Null gesetzt werden, denn „Zucker ist schlecht“. Auch wenn es den im Mineralwasser gar nicht gibt, man kauft es so ab. Auch Salz ist schlecht, Eier sind schlecht und überhaupt.  Dazu bald was.