Wenn in Rom…

9 09 2010

Oder sollte das heissen: Wenn in Helsinki, mach wie die Finnen. Auf Finnisch ist der Spruch „Maassa maan tavalla“ und heisst wie „Im Lande auf die Art dessen Bürger“ (oder so). Den bekannten Spruch höre ich in Finnland mehr als je zuvor, nie in dem Zusammenhang wie man auf Reisen agieren soll, wieso man keine Handtücher auf Schwimmbadliegen legen soll, sondern eben IM Lande. Wieso? Die Zusammenhänge in Finnland – wie heute erwähnt – einem EU Land mit dem geringsten Ausländeranteil, aber einem ziemlich laut werdenden Widerstand gegen DIE Ausländer, klopft man den Spruch oft in den Integrationszusammenhängen. DIE Ausländer wollen sich nicht integrieren. Also „Maassa maan tavalla“. Dass die Finnen es so genau auf Reisen nehmen würden, ist mir auf zahlreichen Reisen leider entgangen. Es heisst lediglich: Du kommst hier, bist nicht wirklich willkommen (nun gut, wenn Du Steuer zahlst, dann vielleicht doch… oder dann auch nicht, nimmst ja Jobs weg). Also beweg Deinen Hintern und integriere Dich gefälligst.

Persönlich ist mir die „Integration“ nicht schwer gefallen: bin aber auch aussergewöhnlich aktiv und zäh. Und das braucht man in diesem Land. Das „Fremd-„Phänomen ist noch relativ neu, man weiss nicht so recht, was nun mit den Ausländern. Also wartet man oft vergeblich auf einen Gegenschritt –  was macht nun das Land um die Integration zu erleichtern?

Und ganz wichtig: Integration heisst nicht, komplett seine Wurzeln wegzuschmeissen. Eigene Kultur wird einem so richtig bewusst, wenn in der „Fremde“. Aus allem das Beste finden – das erweitert Horizonte.





Was wäre wenn der Deutsche für eine Kiste Bier…

24 08 2010

… 20 Euro bezahlen müsste? Skandal! Neulich gelesen, böse Steuern im Anmarsch:

http://magazine.web.de/de/themen/gesundheit/ernaehrung/10903128-Wird-Alkohol-deutlich-teurer.html

Zitat: „Dänemark-Urlauber sind sich dieses Phänomens schon länger bewusst, denn die skandinavischen Länder sind Spitzenreiter bei der Steuer auf Bier, Wein etc. Wer nach Schweden, Dänemark oder ein anderes skandinavisches Land fährt, hat entweder die Wahl, seine eigenen Getränke mitzunehmen oder er muss sie vor Ort für teures Geld in speziellen Läden kaufen. Drohen uns bald ähnliche Zustände?“

Stimmt nicht ganz, normales Bier bis 4,7% bekommt man zumindest in Finnland im Supermarkt, allerdings nicht vor 9 Uhr früh. Und so teuer ist es ja auch nicht. Ein Warsteiner (leider nicht so grosse Auswahl an deutschen Biersorten) für 2,70 Euro die Flasche ist doch kein teures Geld, oder? 😀

Egal wieviele Unterstützer sich finden: teurer Preis hilft nicht ! Ist die Trinkkultur irgendwie nicht ganz so toll, bleibt sie so. Mit allen Mitteln. Es ist meistens eh die Minderheit, die einer Nation den Ruf ruiniert.

Zitat: „eine Anhebung der Steuer von aktuell 9 Cent auf die Höchstgrenze von 1 Euro pro Liter Bier sei denkbar. Ein Kasten Bier würde nach dieser Rechnung dann etwa 20 Euro kosten.“

1 Euro pro Liter? Das ist billiger als Mineralwasser hier!  Und wenn ein Finne so ein Bild im Werbeblatt findet:

Bild: Robin Hood Broschüre

Ne Kiste Bier für 19,96 Euro! Toll, wow, juhu… heisst es:

– das Bier ist von einer nicht so einen guten Sorte

– das Reinheitsgebot wird irgendwie mit deutscher Pingeligkeit assoziert: je mehr Chemie drin, desto besser

– die 24 Flaschenkiste ist nicht á 0,5 l wie in Deutschland, sondern á 0,33 l! Eine 24-Stck. Kiste mit 0,5 l hätte dann noch „im Angebot“ 30 Euro gekostet. 24 Flaschen Warsteiner 65 Euro 😀 Und importiertes Bier ist nicht immer teurer als Einheimisches (im normalen Verkauf)

– Diese 20 Euro für die Kiste Bier ist besonders billig, zeitlich eingeschränkt und oft noch mit dem Vermerk „nur 2 Kisten pro Haushalt“ versehen. Einen Stempel auf die Stirn, ob man schon ein mal sie geholt hat, bekommt man nicht.

– Es ist ausverkauft.

In diesem Sinne: Prost!





Zuviel Gleichberechtigung ist nicht so gut.

20 08 2010

Heute wartete ich daheim auf Küchengerätelieferung (die Küche kommt dann nächste Woche). Mir graute es davor, da ich neulich einige „Servicewüste Finnland“ Berichte zu diesem Thema gelesen habe. Dazu noch: die Küche wird geliefert, aber nur vors Haus, reintragen soll man selber. Macht das Sinn? Beschädigungsgefahr, und vor allem wer – am Arbeitstag? Heute konnte ich nur alleine auf die Lieferung warten, also wenn der Elektromarktauslieferer jetzt möchte, dass ich mit anpacke, dann Feierabend. Aber nein – superverpackt, junger Finne schwang die Geräte, die ich teilweise noch nicht mal verschieben konnte, direkt in die Küche, nix angeeckt, ratzfatz fertig. Wie sieht deren Wirbelsäule in 10-15 Jahren aus? 😦 Erstaunlich auch, dass Einbauherd- und Spülmaschine von Bosch BEIDE NOCH Made in Germany sind (und so schick)! Darauf hab ich nicht gehofft. Gorenje Dunstabzugshaube (auch schicke!) polnisch… LG Induktionsherd koranisch.

Morgens aber tanzte noch ein Frachtunternehmen ohne Vorwarnung an – da war unsere Massivholzarbeitsplatte und nur eine Lieferwagenfahrerin. Da mithelfen? Ich find’s, dass Frauen, sofern sie sich nicht an irgendwelchen Bodybuilderwettbewerben beteiligen, nicht solche Arbeiten ausführen müssen/sollen. Zumindest nicht als Kunde/Kundin.

Aber sowas wie bei schweren Gegenständen anpacken ob auf der Post, im Zug oder sonstwo, kennen die finnischen „Gentlemen“ gar nicht! Erst neulich sagte’s mir eine Kollegin, deren junge Töchter in Paris von so einer Geste völlig von den Socken waren. Das find ich in Deutschland immer so sympatisch und hab’s schon fast verlernt. Nur: wird mir geholfen, weil ich noch (einigermassen 😉 ) zu der knackigen Sorte gehöre, oder wird mir geholfen, weil ich schon so ein(e) alt(e) Knacker(in) bin 😀